Unfallkasse Nord fördert Tagesseminare für Erzieherinnen und Erzieher

„Schwuppdiwupp und rauf auf’s Rad – Radfahren in der Kita“ so lautet der Arbeitstitel für das Projekt, in dessen Rahmen die Unfallkasse Nord 2011 für 10 Hamburger Kitas Tageseminare fördern wird. Dies wurde während des Jahresgespräches der Kita-Träger angekündigt. Während dieses Jahresgespräches durfte ich mein Konzept zum Roller- und Radfahrenlernen für Kinder vorstellen – dieses Konzept überzeugte die Vertreter der Unfallkasse und die Vertreter der Kita-Träger.

Schwuppdiwupp

Während vor einiger Zeit unsere Kanzlerin und Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft in Kopenhagen auf höchster Ebene technologische und ökonomische Antworten suchten auf die globalen Herausforderungen Klimawandel und Umweltzerstörung, versäumt unsere »moderne« Gesellschaft, dafür Sorge zu tragen und zu gewährleisten, dass im eigenen Land Kinder souverän, sicher und natürlich Radfahren lernen.

Komisch? Tragisch? Traurig? Bezeichnend? Und wenn ja, wofür?

Selbstverständlich ist es alarmierend, dass uns ein Klimawandel durch Ressourcen-Ausbeutung und Umweltzerstörung bevorsteht – wer soll aber die Herausforderungen und Probleme der Zukunft meistern und lösen, wenn unsere Kinder nicht einmal mehr auf natürlichem Weg und entfaltend in ihre Welt hineinwachsen dürfen?

Wir berauben uns nicht nur durch Ausbeutung und Zerstörung lebensnotwendiger Ressourcen unserer umgebenden Natur – durch technologische Sicht- und Handlungsweisen berauben wir uns auch unserer eigenen, menschlichen Natur!

Die Natur des Menschen ist in jedem Alter auf Entfaltung angewiesen – besonders junge Menschen wollen sich reiben, provozieren, über Grenzen gehen, wahrnehmen, hinterfragen und sich bewegen – jeder von uns sucht und braucht lebensnotwendig Raum und Herausforderungen für authentische und organische Entfaltungsprozesse.

Und genau das können wir unseren Kindern in einer auf Ergebnisse und Erträge setzende, „verbachelorten“, „vermasterten“, schnelllebigen, oberflächlichen und ideologisch betonierten Welt, Zeit und Gesellschaft voller technischer Hilfsmittel immer weniger bieten.

(Vielleicht überspanne ich den Bogen durch eine zu harte und überzogene Wortwahl – mir geht es hier aber um die Verdeutlichung eines Trends, den Unfallforscher bestätigen und der zur Sorge Anlass gibt)

Das Arbeitsbuch SCHWUPPDIWUPP setzt diesem technologisch-ökonomischen Trend etwas entgegen und befasst sich mit der Entfaltung von Wahrnehmen, Bewegen und Handeln mit und auf einem Fahrrad. Es ist an Erwachsene gerichtet, die für und mit Kindern Übungs- und Entfaltungszeit gestalten möchten. SCHWUPPDIWUPP stellt eine Vielzahl an Übungsideen bereit; kreativ und phantasievoll, aber stets mit dem Bezug zum sicheren, souverän-umsichtigen Radfahren.

Es ist als Arbeitsbuch konzipiert, d.h. alle Eltern, Erzieherinnen und Erzieher werden eingeladen und sind aufgefordert, die Freiräume des Buches mit eigenen Ideen und Erfahrungen in Form von Anmerkungen und Skizzen zu füllen und es somit zu einem individuellen Exemplar zu vervollständigen.


SCHWUPPDIWUPP, R.G. Fischer Verlag 2010, 128 Seiten,
Paperback € 9,80 (D), SFr 17,90
ISBN 978-3-8301-1321-8
Einband- und Satzgestaltung: Oliver Schuh, die gebrauchsgraphiker